Erste Kontakte
Schon lange, bevor die Römer die Ostalpenländer okkupierten und eroberten, kam es zu Kontakten zwischen den dort siedelnden Kelten an der oberen Adria. So wanderte um 186 v. Chr., getrieben von inneren Streitigkeiten und Landnot, ein Teil norischer Kelten über die Alpen und besetzte ohne Kriegshandlungen und Plünderungen einen Platz. Durch den römischen Geschichtsschreiber Livius (XXXIX 22,6) erfahren wir, dass dieser Konflikt auf diplomatischem Wege bereinigt wurde, nämlich so, dass die Römer Botschafter zu den Kelten entsandten, die über diesen Vorgang Aufschluss verlangten und die deren Rückkehr in ihre Heimat erzwangen.
Im Jahr 181 v. Chr. wurde dort, wo sich die Kelten niedergelassen hatten, Aquileia als colonia gegründet, um eine Art Schutzfunktion zu bilden. Schon bald entwickelte sich von hier aus ein reger Handelsverkehr mit den Kelten. Die römischen Handelsunternehmer waren vor allem an den Bodenschätzen wie Gold, Bergkristall und Eisen interessiert. Auch kam es häufig zu politischen Kontakten mit dem sogenannten regnum Noricum, einem losen Gebilde keltischer Stämme unter der Herrschaft der in Kärnten beheimateten Norici. Rom schloss auch einen Freundschaftsvertrag (hospitium publicum) mit dem keltischen Königreich; dadurch schützte man sowohl die diplomatischen Kontakte als auch den Handel.
Frühe Kaiserzeit: Okkupation und Provinzwerdung
Um 15 v. Chr. ließ Kaiser Augustus durch seine Stiefsöhne Drusus und Tiberius den Alpenfeldzug gegen die Alpenstämme der Raeter und Vindeliker führen und die römische Herrschaft weiter nach Norden hin ausdehnen. Dabei gelangten die wichtigsten Alpenpässe und Übergänge sowie das Alpenvorland unter römische Herrschaft.
Man geht davon aus, dass damals auch das keltische, mit Rom aufgrund wirtschaftlicher Interessen schon länger befreundete regnum Noricum ohne überlieferte Kampfhandlungen okkupiert wurde und damit auch unsere 500 Jahre währende römische Geschichte als Grenzland des römischen Reiches begann.
Das Vordringen der Römer bis zur Donau bedeutete anfänglich nur ein Etappenziel, man wollte unter anderem auch die von Marbod geführten Markomannen in Böhmen schlagen. Der Aufstand der erst vor kurzem unterworfenen pannonischen Stämme und der Dalmater um 6 n. Chr. beendete allerdings diesen Feldzug, bei dem sechs Legionen von Carnuntum aus nach Norden in Marsch gesetzt worden waren. Die Römer operierten anfänglich sehr erfolgreich gegen die Germanen jenseits des Rheins, doch nach der vernichtenden Niederlage des Varus im Teutoburgerwald (9. n. Chr.) nahm man von diesen angestrebten Plänen, das germanische Gebiet zwischen Rhein und Elbe zu besetzen, Abstand. Die Donau wurde Grenze. Unser Land gehörte also damals südlich der Donau zur römischen Provinz Noricum. Das Mühlviertel war dicht bewaldet und bot nur wenig Siedlungsraum. Ganz allgemein wurden die Kelten nördlich der Donau, denn auch das Mühl- und Waldviertel waren ursprünglich ein Teil des norischen Königreiches gewesen, im Laufe der Jahrhunderte von einwandernden Germanen verdrängt. Hermunduren, Naristen, Markomannen und Quaden sind die Stämme, die hier den Römern später gegenüberstanden.
Wie der Handel blühte, zeigen die Verhältnisse am Magdalensberg. Aufgrund der hier gefundenen Gussformen für Goldbarren mit der Inschrift des Kaisers Caligula (37–41) kann damit gerechnet werden, dass das von Rom okkupierte norische Gebiet damals schon voll unter römischer Herrschaft stand und durch eine Militärperson des illyrischen Heeresverbandes oder durch einen einheimischen Würdenträger regiert wurde. Soldaten der legio VII Augusta, die in Poetovio (Pettau/Ptuj) stationiert waren, finden sich auf dem Magdalensberg. Die legio XV Apollinaris wurde nach Carnuntum verlegt, das in dieser Anfangszeit noch zur Provinz Noricum gehörte.
Während der Regierungszeit des Kaisers Claudius (41–54) bekam das okkupierte Noricum den Status einer sogenannten kaiserlichen Provinz, die von einem dem Ritterstand angehörenden Statthalter verwaltet wurde, der seinen Sitz in Virunum hatte.
Die Provinz Noricum erstreckte sich südlich der Donau, die die römische Reichsgrenze bildete. Zwischen Inn im Westen und dem Wienerwald im Osten. Im Westen schloss die Provinz Raetien an, im Osten Pannonia.
Text: Christine Schwanzar