Diokletians Reformen und Spätantike
Im 3. Jh. erschütterte eine Wirtschaftskrise das römische Reich, auch die Bedrohung der Grenzen des Imperiums verstärkte sich an vielen Fronten. Als Diokletian (284–305) zum Kaiser gewählt wurde, hatte sich die Lage schon wieder etwas konsolidiert. Er ging daran, Armee und Verwaltung neu zu organisieren. In seine Regentschaft fielen folgende Reformen, die die Provinzen betrafen: Teilung der militärischen und zivilen Gewalt, Verkleinerung der Provinzen in kleinere Einheiten, z.B. Teilung von Noricum in Ufer- und Binnennoricum, beide zählten dann wiederum zur großen Diözese Illyricum.
In seine Regentschaft fällt der Martyrertod des Hl. Florian in Enns am 4. Mai 304. Schon unter Kaiser Constantin I. (306–337) wird das Christentum zuerst anerkannt und dann Staatsreligion. Im 4. Jh. verweilen zweimal Kaiser in Lauriacum: Am 24. Juni 344 unterzeichnet dort Constantius II. (337-361) einen kaiserlichen Erlass und 378 kommt Gratianus (367-383) auf der Durchreise nach dem Osten vorbei.
Für Ufernoricum und die Grenze sind die Bautätigkeiten zur Zeit Kaiser Valentinians (367–383) und seines Grenzgenerals, des Dux Ursicinus, dessen Ziegelstempel sich an vielen Limesbauten in Oberösterreich finden, wichtig. Damals und in dem anschließenden Jahrhundert verwandelten sich die mauerumwehrten Kastelle allmählich in Siedlungszonen, hier konnte man sich hinter schützenden Mauern trotz vieler Überfälle relativ sicher fühlen.
In der ersten Hälfte des 5. Jhs. ziehen verschiedene barbarische Stämme durch Noricum (Vandalen, Westgoten, Ostgoten, Hunnen), trotzdem bleibt das römische Leben hier intakt.
Diese Endzeit schildert sehr anschaulich Eugippius in der Vita S. Severini. Hier erfahren wir, wie der Heilige, der um 460 n. Chr. in den Donauraum kam, den Leuten in ihrer Not beistand und dann, als die Grenze nicht mehr zu halten war, die Romanen zuerst nach Lauriacum brachte und später von hier nach Favianis und in andere weiter östlich an der Donau gelegene Orte, wo sie unter dem Schutz der Rugier leben konnten.
Als die Provinz nicht mehr zu halten war, befahl Odoaker 488 die Rückkehr der Romanen nach Italien. Auf ihrem Marsch nahmen sie auch den Leichnam des 482 verstorbenen Severin mit. Damit endete die Römerherrschaft in Oberösterreich. Es werden nicht alle abgezogen sein, Namenskontinuitäten und Walchennamen deuten darauf hin, dass einige blieben.
Text: Christine Schwanzar